Etwas ungeplant stolpern wir heute von Atrraktion zu Attraktion und können abends uns doch zufrieden zurücklehnen, denn der Sightseeingcharakter der heutigen Strecke war enorm.

Gorges du Bachelard, Col de Cayolle, Col des Champs, Gorges de Daluis, Gorges de Cian, Col de Trebuchet, Col de Felines

5.Tag: Barcelonnette-Annots

Da man eindeutigerweise nicht gleichzeitig über zwei parallel verlaufende Pässe fahren kann, entscheiden wir uns für den Col de Cayolle, weil davor noch ein Gorges du Bachelard liegt.

Eine wirklich weise Entscheidung, denn die Strecke ist im Wortsinn wildromantisch und mit tief berührten Herzen surfen wir schliesslich das Var-Tal hinunter.
Und weil ich meine Schwäche für weisse Strassen nun einmal nicht bezähmen kann, schlage ich bei St.Martin d'Entronnes einen Haken nach links hinauf zum Col de Champs.

Eine weitere gnadenlos schöne Wahl, zunächst anmutig kurvig im unteren Drittel, bleibt es nach oben hianus weiter kurvig, es kommt aber eine umwerfende Aussicht auf die umliegenden höheren Berge dazu und weil das noch nicht genug ist, gibt es im Abstieg ein sehr deutlich schmäler gewordenes Strässchen, das sich schnell zur Baumgrenze hinunterwindet und gerade so schmal bleibend durch mehr oder minder dicht stehenden Laubwald windet um unten schliesslich in wuseligen Serpentinen auszulaufen.

Das sieht reichlich unkonventionell geroutet aus - und ist es auch, mehr dem Zufall und momentanen Gusto überlassen touren wir heute und dies ist nur die weggetreue Wiedergabe der eher zufälligen Fahrtstrecke.

Wir treffen auf Colmar. Es wird gerade das alljährliche Ritterfest zelebriert, überall hängen mittelalterliche Fahnen und allerley fahrendes Volk säumet und queret die Wege. Ritter, Burgjungfrauen und was nicht alles.
Natürlich sind wir etwas deplaziert und nachdem wir eine Tankstelle gefunden haben, ziehen wir auch bereits wieder von hinnen nach dannen und folgen ein Stück dem Tal des Verdon biegen kurz nach Thorame-Haute jedoch links auf die D 908 die rasend schnell parallel zum Flusstal hinaufsteigt und auf der anderen Seite als malerisch gewundenes Nebensträsschen wieder hinunter führt nach Annot, das wir heute noch ein zweites Mal sehen werden.
Ein nur kurzes Stück auf der N202 und schon stossen wir auf den Abzweig in den Gorge de Daluis.
Weil Gorges immer hübsch sind nehmen wir den Abzweig und was wir sehen ist dies:

Ganz hübsch erstmal, aber nun nicht unbedingt spektakulär.

Die Strasse bleibt zunächst elendig breit und hochgeschwindigkeitstrassig, die Var, denn nichts anderes war der Fluss in diesem Bette, mäandert, fast ausgetrocknet so dahin, doch das Bett verbreitert sich nicht nur zu einem echten französischen Bett, nein, das Bild sei erlaubt, es wandelt sich zur ausladend pompösen Bettlade einer Madame Pompadour.
Und riesige Kiesinseln plustern sich auf wie billige Daunenkissen und dürftig dürr werden die Rinnsale des Flusses.

Doch da ist wirklich nur ein schaler Vorgeschmack auf das, was im weiteren Verlauf des enger werdenden Tales auf uns zukommen wird. Die Färbung der Felsen geht zunehmend ins rötliche über, bis im mittäglichen Sonnenlicht sie fast schon in hellem Rostrot leuchten.
Doch dann wird das Tal wie zugeschnürt eng, die Inseln erscheinen aufgestaucht zu immer bizarreren Formen und ragen schliesslich als mächtige Felsenhüte aus dem Tal.
Die Strasse bleibt dabei auf der Höhe der "Turmgipfel" und es bieten sich atemberaubende Blicke in tiefe, kiesbedeckte Schluchten durch die sich mühsam ein winziges Gewäser zwängt.

Die ganze Szenerie sieht jetzt aus, als hätte es ein unvergleichlich begnadeter chinesischer Tuschzeichner direkt aus der Meditation heraus auf Papier geworfen.

Das permanente Nebeneinander von Höhe und Tiefe ist überwältigend. Überall in der nackten, zerklüfteten Felswand krallen sich die unterschiedlischten Pflanzen fest, wohl oft nur getränkt vom alltäglichen Tau, der sich in diesen Klüften durch die aufsteigende Feuchtigkeit des Gewässers wohl jede Nacht bildet.



Hier bereue ich erneut nur eine unsensible Digitalkamera dabei zu haben, denn dass die Abbildungen mehr als bescheiden und dem Objekt in keiner weise angemessen ausfallen werden ist mir schon jetzt klar.

Im weiteren Verlauf weitet sich das Tal relativ schnell wieder nach Guillaume hin (Bild rechts).

Wir biegen am Talausgang rechts auf ein unspektakulär kurviges Stück bis Valberg, halten auf Bueil zu und biegen am Ortsende in die Parallelschlucht des Gorges du Cians.

Die Strassenführung ist hier eine andere:
während im Gorges de Daluis die Strasse entlang der Gipfelhöhe der Felsen geführt wird, wir also reiner Zuschauer bleiben, passt sich im Gorges du Cian das Strassengefälle dem Gefälle des Cians an, sodass wir in Nord-Süd-Richtung fahrend uns gleichsam wie das Wasser selbst durch die roten Felsen immer tiefer ins Tal hineinfräsen.

Zwei letzte Eindrücke ...

... am Ausgang des Gorges du Cian.

Nicht zuletzt, weil ich in der drm mehrfach den Namen des Col de Trebuchet gelesen habe, drehen wir schliesslich noch eine Schleife: auf der N202 kurz ein Stück zurück nach Puget-Thenier und biegen dort über eine eiserne Brücke auf die D2211 die in anmutigen Serpentinen am Hang hinaufführt, um schliesslich über den Hügel hinüberzuklettern, biegen alsbald rechts auf die D 10 um über St.Pierre nach La Rochette zu gelangen, dessen Name Programm ist, denn wir fahren durch ein riesiges durch den Felsen gehauenes Steintor in die kleine Ortschaft hinein.

Hinter Rochette beginnt eine Strasse, die bei Michelin als "parcours difficile ou dangereux" beschrieben ist, was für die meisten Fans des Col de Trebuchet wohl auch den besonderen Reiz ausmacht, tatsächlich ist das Strässchen mehr als eng und gewunden, wurde allerdings am letzten Teilstück erst kürzlich asfaltiert, sodass es schon fast zivilisiert daherkommt.

(links:) ein Blick nach Süden in Höhe des Col de Trebuchet

(oben:) Über den Col de Felines geht ein hübsch gewundeses Strässchen oberhalb des Tälchens der Chalvagne, das sich später mit dem Var-Tal vereint.
Hier befand sich vor kurzem noch genau einem Wolkenrand, denn je nachdem, in welche Richtung die Kurven ausschwenken, wird die ist die Strasse nass oder ist komplett trocken.

Die rechts oben erkennbare Burg über dem Vartal ist das Wahrzeichen Entreveauxs, das eine hübsche Altstadt an dessen Fuss besitzt, leider war das einzige Hotel am Platz voll ausgebucht, sodass wir nach Annot zurück mussten, wo wir im Hotel du Parc, das eindeutig schon bessere Tage gesehen hatte zu € 44.- nächtigten.
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