Wr haben die Strecke der Route des Grandes Alpes eher als Motiv, denn als Thema, sehr frei bearbeitet, dennoch beenden wir ungewöhnlich punktgenau die heutige Tagestour exakt an derem offziellen Ende kurz vor dem Mittelmeer.

Gorges de la Vesubie, Col d'Andrion, Col de Turini, Gorges du Piaon

6.Tag: Annot-Sospel

Auf ein Frühstück verzichten wir in dem Verdacht, es hätte womöglich dasselbe Preis-/Leistungsverhältnis wie das Zimmer und brechen um 10 Uhr auf.

Der Weg führt uns zurück nach Puget-Theniers, diesmal rechts auf die Eisenbrücke zur D2211... biegen diesmal jedoch auf der Kuppe des Hüügels bereits Richtung Ascros, welches kaum erwähneswert ist, aber zumindest die Richtung markiert und an der völlig abgelegen D27 liegt.

Als Auftakt eines neuen Tourtages schon mal gar nicht so schlecht...

Es sollte aber, wie bisher jedesmal, noch deutlich zu steigern sein, denn die Entdeckung des nun folgenden Tourabaschnitts war das Highlight des Tages schlechthin.

Zunächst geht es aber über Bonson, sehr hübsch gelegen mit weitem Blick über das Var-Tal hinunter nach Plan du Var und von dort in den Gorges du la Vesubie ein weiterer Augenschmaus, der zwar nicht so extrem wie die beiden vorausgegangenen Felsengärten daherkommt, aber dennoch einen eigenen und eher winkeligen Charakter besitzt.
Nahezu direkt am Ende der Felsenschlucht führt uns die Strasse nach St.Jean la Riviére, das wir in der Ortsmitte augf der D32 in Rtg. Utelle verlassen.

Der Weg führt über steile Serpentinen wie im Fahrstuhl über das Tal hinauf, auf der Höhe folgen wir dem Wegweiser nach La Tour durchqueren einen kleinen Felsentunnel und finden uns auf einer Schotterpiste wieder, die in dieser - gut zu fahrenden - Qualität bis La Tour anhält.

Nach jeder Wegbiegung bieten sich neue umwerfende Panoramen der Berggruppen des Vallée du Tinée und dessen Seitentälern.
La Tour bedeckt wie ein Ziegeldächchen den Turm des Hausbergs.
Was muss es für ein erhabenes Gefühl sein, hier morgens am Frühstücktisch zu sitzen und, während man sein wachsweiches Ei köpft, weit ins Land hinaus zu blicken.


Wir besichtigen La Tour jedoch nicht, lassen es, amlerisch, wie es ist, als Kulisse links liegen und folgen der D322 die hier wieder asfaltiert ist nach Granges de la Brasques, einem mutmaslich winzigen Nest mit Kirche mitten in den Bergen.

Wir sind hier allein inmitten einer wunderbaren Bergwelt ...

... und geniessen die traumhaft malerische Ausblicke.

Wie ein japanischer Ukiyoe-Holzschnitt
nach einem Entwurf von Hiroshige
mit tiefgestaffelten Bergkammsilhouetten...
Die Strecke beginnt duch dichter werdenden Wald zu führen, wir durchqueren allein drei verschiedene Gemeindewälder, auf einem romantischen, sich knapp unter dem Kamm entlang windenden Strässchen, das nur noch gelegentliche Fernblicke gewährt und schliesslich über den Col d'Andrion führt.

Granges de la Brasque entpuppt sich als ein Feriencamp, das wohl ehedem ein Militärlager gewesen sein muss.
Wir suchen nach dem Abzweig nach Roquebillière, der uns wieder hinunter ins Tal der Vesubie bringen soll. Aber zunächst Fehlanzeige, an uns staunend hinterherblickenden Menschen in Campingstüühlen fahren wir zunächst in einen als Waldweg endenden Schotterpfad der zum Col du Fort führt, um mühsam gewendet dann zu erkennen, dass der offensichtliche Wanderweg, der steil und extrem holperig am Ende der asfaltierten Strasse hinabführt wohl "unser Weg" sein muss.
Nach genauerem Kartenstudium entpuppt sich die eine Linie des "weissen Weges" als gestrichelt, als schwacher Trost wissen wir nun zumindest, dass wir richtig sind, auch wenn sich bereits wieder ein Gewitter anzukündigen scheint.

Aus halber Höhe - wir sind sicher schon die Hälfte der wohl insgesamt 11 km Schotter gefahren - ergattern wir einen Blick ins Tal auf Roquebillère bzw. Roquebillère Vieux, wir können es nicht genau erkennen.

So wird aus einem romantisch begonnenen Nebensträschenausflug schliesslich noch eine kleine Endurowanderung, denn einige Streckenabschnitte weissen derbe Schlaglöcher und Kiesriefen auf - was zwar dem Fahrer durchaus Spass macht, aber auf höchste Missbilligung der Sozia stösst - nur runter müssen wir halt nun einmal. Und so brauchen wir auch gute 25 Minuten für die etwa 13 km ins Tal.

Die Sozia schmollt ob des ganzen ungeplanten Gerumpels und möchte keinen km mehr weiter fahren. Doch wir finden nur ein reichlich teures Hotel, das selbst einer frustrierten Schwäbin sagt, dass sie doch noch die reine Fahrlust besitzt.

Zwischenzeitlich ist auch der Sprit knapp geworden und wir suchen eher verzweifelter nach einer nächsten Tankstelle, als nach einem nächsten Hotel, weil wir sonst morgen - Sonntag - nicht mehr weit kommen werden mit der Reserve.

In Lantosque schliesslich finden wir mehrere Hotels und eine Tankstelle. Der Tank ist nun zwar voll, ob es die Hotels sind fragen wir erst gar nicht, denn € 120.- für eine Nacht erscheint uns nun doch etwas sehr üppig bemessen, selbst wenn hier eventuell schon Napoleon oder wer auch immer genächtigt haben mag.

So folgt eine Weiterfahrt auf der D70 zum Col de Turini nachdem wir auch in La Bollène-Vesubie nichts passendes gefunden haben - es gibt dort ein in einem Park gelegenes Hotel, das uns schon von aussen zu teuer erschien.
Mittlerweile fallen die ersten feinen Nieselstäubchen, sofern es so bleiben wird, kein Problem, aber der Himmel beginnt sich einzuschwärzen, es wird wohl kaum mehr lange dauern. Es ist zwar erst späterer Nachmittag, aber die regenwolkenbedingte Verdunkelung lässt es uns bereits vorkommen, als sei es früher Abend.
Mit dieser deutlichen Gewitterdrohung im Nacken heizen wir dem Turini entgegen.
Natürlich kommt es wie es kommen muss: im Anflug auf den Turini - kurz nachdem ich einen volontierenden Holländer, der meinte die gesamte Fahrbahn gehörte ihm, endlcih überholt hatte - beginnt es zu regnen. Noch nicht stark, abr doch soviel, dass sich auf der Strasse eine schmierige Melange bildet. Und plötzlich beginnt der Holländer wieder aufzuholen, weil mein Hinterrad, reichlich profillos geworden, nun in den Kurven ständig "weich" wird. Einen drohenden Abflug möchte ich der ohnehin angefressenen Sozia nun wirklich nicht mehr zumuten, halte aber doch immerhin die Führung bis zur Passhöhe.
Der Rest ist schnell erzählt: das Angebot der beiden Hotels erscheint mir ebenfalls nicht sehr angemessen, sodass ich zum Weiterritt blase. Eine wunderbare Kurvenstrecke, in deren ersten Drittel wir den Regen abschütteln können, trägt uns die Südrampe hinunter. Das einzige Hotel in Moulinet hat geschlossen, wir fahren weiter nach Sospel, können, die Sonne ist zurückgekehrt, bereits schon wieder die Landschaft und den Gorges de Piaon geniessen und erreichen verdient und müde das in der Abendsonne liegende Sospel.

Hier endet auch ganz offiziell die

Im Hotel de France bei Madame Berg erhalten wir das Zimmer No.6 mit der einzigsten Terrasse des Hauses für € 63,50 mit Frühstück.
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