Wir treiben von Höhepunkt zu Höhepunkt:
heute treffen wir wieder auf die Route des Grandes Alpes, um sie auch gleich wieder zu verlassen und schliesslich doch zurück zu kehren.

Col de l'Echelle, Col de l'Izoard, Col de Vars, Col de la Bonette

4.Tag: Bardonecchia-Barcelonnette

Weil es hier im Hotel so gemütlich war, frühstücken wir noch und machen uns dann - wieder einmal etwas spät - auf die Fahrt.
Der Herr des Hauses bestätigt mir durch seinen Tip ("Col de l'Echelle"), dass ich mit meiner Routenwahl genau richtig liege.

Tatsächlich ist es ein ungemein abwechslungsreicher Aufstieg und jede Kehre bietet einen neuen romantischen Anblick - welche leider alle unfotografiert bleiben.
In küürzester Zeit überwinden wir so gute 1000 Höhenmeter. Der Abstieg, der sich durchs Vallée de la Clarée fortsetzt ist eher unspektakulär, aber landschaftlich wunderbar und füürht uns zurück nach Briancon, das wir diesmal jedoch durchs Tal der Cerveyrette über Cervières zum Col d'Izoard hin verlassen.

Auch der Izoard erweist sich als ganz frisch geteert und ist voller Fanschmierereien "Jan, Jan, Jan" der letzten Tour de France...

... und bietet eine phantastisch-obskure Berglandschaft. Als wären hier Kohorten fleissiger Obelixmännchen nächtens beschäftigt, ragen aus riesigen Geröllhalden schwarze, grotesk geformte Obelisken, die oft in Gruppen zusammenstehen und dem Berg eine fast unwirkliche Aura geben.


In einer weit ausladenden

Schaukurve im oberen Drittel.

Die Gipfelspitze des Col de l'Izoard (2601m) hoch über der Passhöhe.

Von der Passhöhe (2360m) nach Süden blickend, die Abfahrt wird uns durchs Guil-Tal nach Guillestre hinunter führen.

Ausblicke im Abstieg.

Die izoardtypischen Obeliskformationen.

Wir nähern uns dem Tal.

Die Hinkelsteinwerkstatt "Les Muratières".

Und etwas näher ran.


In Guillestere folgen wir der Beschilderung Col du Vars ins Chagne-Tal und beginnen mit dem Anstieg über Vars.

Im Abstieg überhole ich ein ludwigsburger Porsche-Cabriolet, der Fahrer will es aber wissen und bleibt das ganze Ubaye-Tal im Rückspiegel kleben. In Jausier verfehle ich den Abzweig links zum Col de la Bonette und halte in der Ortsmitte auf einem Parkplatz.
Wusch, da ist das Cabrio vorbei.

Wir kehren um und biegen rechts, folgen der Strasse über eine Reihe einleitender Kehren nach Lans le Villard und über La Chalanette.
Jetzt beginnt der eigentliche Anstieg und ab La Prégonde/Les Rochers beginnt ein wildes Kurvengetümmel, das eine Unmenge Fahrspass bietet. Keine Kurve ist wie die nächste, aber es ist sehr kehrenarm sodass man in elegantem Surftempo emporsteigen kann.
Erst kurz unterm Gipfel endet das schier endlose Kurvengewusel, wenn eine lang am obersten Kamm entlangführende "Gerade" zum Abzweig des Cime de la Bonette bzw. dem Abstieg zur Südrampe hinaufführt.

Nur zur Beweissicherung...

Natürlich wollen wir höher hinaus und folgen dem Rundweg des "Cime de la Bonette".

Ein schlicht atemberaubendes Panorama.

Als kleine Linie ist der Schotterweg erkennbar, der unterhalb des Bonettes über den Col de la Moutière nach St.Dalmas le Selvage führt.


Haarsträubende Aussichten...


... es zieht schon wieder Unwetter auf.

Ob in Kombi oder nicht, die letzten Höhenmeter sind nur zu Fuss zu überwinden.

Dafür wird man mit ungewöhnlichen Ansichten belohnt.

Man kann das aufziehende Gewitter fast schon riechen.
(Col de Colombars und Cime de la Blanche. In der Senke dahinter liegt unsichtbar St.Dalmas)

Blick zur "Kreuzung" am Col de la Bonette.
Von links die Zufahrt von der Nordrampe, rechts nach der Haarnadelkurve die Abfahrt zur Südrampe.
(Im Hintergrund der Tete de l'Empeloutier)

Kaum hinaufgestiegen sehen wir das Porsche-Cabrio einschweben. So trifft man immer wieder alte Bekannt von unterwegs. Auch der etwa grauschläfige, etwa sechzigjährige Italiener, der mit uns in Guillestre verzweifelt eine Tankstelle gesucht hatte, ist wieder da und selbstverständlich auch der Holländer der nur mit Tankrucksack zur Europareise aufgebrochen ist.

Die gut sichtbare Schotterstrecke reizt mich ungemein, Lollo hält sie für unbefahrbar und mich für verrückt. Wieso fährt dann dort aber ein Kombi entlang?
Unterstützung erhalte ich vom Cabriofahrer, der die Strecke selbst schon mit einer Strassenmaschine befahren hat, aber älter geworden - er ist erheblich jünger als ich - nun auf Qualität aus Zuffenhausen abfährt.

Doch wir kommen überein nicht länger zu diskutieren, denn mittlerweile zieht eine rechte Schwarzfront auf, es ist in etwa Halbstundenfrist mit einem heftigen Unwetter zu rechnen. So lassen wir Schotterweg Schotterweg sein und ziehen uns dorthin zurück woher wir gekommen sind, denn die Südrampe schient bereits im Bereich des Unwetters zu liegen.

In fliegendem Galopp geht es das wunderbare Kurvenlabyrinth wieder hinunter. Der Ehrgeiz den Schnitt zu erhöhen beflügelt mich und bringt mir auf halber Strecke eine Standpauke von Lollo ein, sie müsse alles in den Knien abfangen. Kleinlaut muss ich eingestehen, dass man als Fahrer die Situation des Beifahrers nur schwer nachempfinden kann und fahre nun kultiviert vollends zu Tale.

In Jausier folgen wir der Strasse nach Barcelonette, werden jedoch von einer riesigen Baustelle mit km-langem Rückstau ausgebremst. Wir hangeln uns an der Schlange entlang auf Poleposition, mittlerweile hat es bereits zu nieseln begonnen.
In der folgenden Grünphase fahren wir in einem Pulk von einem knappen dutzend Maschinen durch einen Kilometer Baustelle und sehen danach bereits aus wie nach der Paris-Dakar. Wie um uns reinzuwaschen öffnen sich nun alle Schleussen des Himmels und uns hilft nur noch die Flucht.
Gut eingenässt erreichen wir ein Vordach in Le Bourget gegenüber der Kirche, wo wir die 90 Minuten Aufenthalt unter Sintflut und Donnerhall nutzen zu vespern.

Nachdem sich das Gewitter gelegt hat, brechen wir auf in Rtg. Barcelonette und stellen bei der Ortseinfahrt fest, dass wir uns nicht im Epizentrum des Gewitters befunden haben, denn hier haben sich ganze Böschungen selbstsändig gemacht und liegen nun neben abgerissenem Astwerk und Sterinmaterial auf der Fahrbahn.
Da es bereits wieder anfängt heftiger zu regnen, suchen wir uns ein Hotel, aber erst in Le Sauze, das in den Hügeln oberhalb Barcelonettes liegt, weden wir - vermittelt von einem Hotelier Barcelonettes - fündig. Hier scheint die ganze Stadt ausgebucht zu sein.
Duchnässt, aber zufrieden nach all den grossartigen Ausblicken des Tages lassen wir uns ein mehrgängiges Menü und eine Flasche Cabernet schmecken.

So lange kann man gar nicht vespern, um nicht ungeduldig zu werden.
Wir zählen die Minuten und Viertelstunden.... -
endlich beginnt es wieder heller zu werden.

<< Übersicht - Fünfter Tag >>