2. Tag: Orsières-Valloire (F)
Heute gelingt es uns bereits um 9.30 Uhr loszukommen.
Die Strassen sind noch feucht und der Anstieg zum Grossen St.Bernhard führt durch nebeldampfende frühbesonnte Kurven und fröstelnd frische Schattenecken hinein in einen wunderbaren Sommermorgen.
Eine Zweiergruppe Kollegen lassen wir souverän im Rückspiegel verschwinden und ich könnte brüllen vor Freude - nicht wegen der Zweiergruppe, sondern wegen des wunderbaren Morgens, der allerdings zeitig beim Abstieg nach Aosta in einen lauwarmen Spätmorgen übergeht.
@ @ @
|
Das Aostatal empfing uns nach dem noch morgendlich frischen "grossen Berhardiner" mit mediterraner Wärme.
|
|
Gemächlich steigt es wieder an Rtg. Courmayeur, doch wir halten uns natürlich links zum Kleinen St.Bernhard, heute sollen Pässe folgen, wenigstens fünf in Serie:
|
|
|
als dritter folgt der Col de l'Iseran, der - hübsch zu fahren, weil praktisch kehrenfrei - leider mit ganz neuem und quasi fugenlosem Belag aufwartet, sodass die fast autobahnartigen Fahrzustände im Aufstieg der Nordrampe den Spass - von den vielen schwingenden Kurven abgesehen - etwas minimieren.
|
|
|
Dennoch gibt er als erster Pass der Route des Grandes Alpes natürlich Anlass zum ersten und einzigen Gipfelwegweiserkreuzfoto der Tour.
Etwas beschämt stellten wir fest, dass wir dabei einer Gruppe Bergradler - die durch ihren Schweisszoll sicher mehr Anrecht auf dieses Shooting hatten - den Raum nahmen sich ebenfalls vor dem Kreuz gruppenfotogen auszubreiten.
|
|
|
|
Val d'Isere hinterlässt, obzwar wunderbar gelegen, mit seinen architektonisch wertvoll ins Umland eingefügten Wohnbunkern aus der Olympiaperiode
einen reichlich zwiespältigen Eindruck.
|
|
|
|
|
|
|
|
td colspan=2>
|
In schier endlosen Windungen erfolgt der Abstieg vom Col de l'Iseran und geht in ein sich langsam weitenden Taleinschnitt über, die Fahrt, begeleitet von einem wunderbaren Panorama in diesem Jahr mit sehr hoher Schneegrenze etwas spärlich bedeckter Gletscher, bildet eine grandiose Ouverture der Route des Grandes Alpes, die erst in Bonneval sur Arc ihr Ende findet.
|
|
|
|
Das folgende Stück über Lanslebourg nach St.Marice de Maurienne durchs Arctal ist leider eines der langweiligsten der heutigen Tour, gut ausgebaut, bis Modane wenigstens noch etwas gewunden, wird es durch einen autobahnartigenAusbau ab Modane zum Inbegriff der Hässlichkeit. Doch St.Maurice de Maurienne naht dadurch umso schneller und mit ihm der Abzweig zum Col du Télégraphe, der wieder Kurven in Fülle verspricht.
Im Anstieg zum Télégraphe beginnt es kurz aber kräftig zu nieseln, was wir zur Vesperrast unter einem Niesel leidlich abhaltenden Nadelbaum nutzen, um gestärkt die Windungen des Col du Télégraphe anzugehen, der zwar landschaftlich hübsch, aber ohne wirkliche Höhepunkte uns noch von Valloire trennt.
Nicht, dass wir wirklich nach Valloire gewollt hätten, nein, der Galibier als fünfter Pass war ja fest eingeplant, doch erreichte uns ein zu Regen erstarkter Niesel oberhalb von Valloire und wir beschlossen,
da sich der Himmel in Fahrtrichtung rabenschwarz verfinsterte, uns den Galibier zum Frühstück aufzubewahren.
Leichter gesagt als getan, die einzigen Herbergen, die hier im Skigebiet noch geöffnet hatten, waren alle belegt, sodass wir nach Valloire zurück mussten, das wir gerade noch zu Beginn eines sintflutartigen, mehr als eine Stunde andauernden und von ohrenbetüubendem donnernden Gewittersalut begleiteten Wolkenbruchs erreichten, den wir unter einem Vordach zusammen mit vielen hochsommerlich bekleideten Passanten leidlich geschützt überdauerten.
Selbst hier war es schwierig eine Unterkunft zu ergattern, doch schliesslich fanden wir im Hotel du Centre ein historisch anmutendes Zimmer - die Tapete musste noch unter Louis XIV angebracht worden sein, das Badezimmer jedenfalls war kaum jünger; für - und gemessen an der Hostorizität der Stätte für geradezu lächerliche € 45.- ohne Frühstück.
Kaum angekommen platterte der nächste Regenguss nieder.
Kein Zweifel mehr - wir hatten Urlaub vom regenfreien Schwarzwald bekommen.
|
|
<< Übersicht - Dritter Tag >>
|
|